Stadtentwicklung vorantreiben

Kierspe benötigt dringend ein Stadtentwicklungs- und Verkehrskonzept

Kierspe benötigt ein Stadtentwicklungs- und Verkehrskonzept

Die Städte und Gemeinden Deutschlands stehen vor den größten Herausforderungen seit der Wiederaufbauphase der 50er Jahre. Scheinbar dauerhafte Finanzprobleme, bevorstehende bevölkerungsstrukturelle Umwälzungen, ein nach wie vor ungebremster Landschaftsverbrauch und ein zunehmend interkommunaler Wettbewerb um die Neuansiedlung von Gewerbebetriebe aber auch um Einwohner, sind Probleme und Tendenzen, denen sich auch die Stadt Kierspe stellen muß.

Es wird deutlich, daß Kierspe langfristig und dauerhaft in allen Bereichen kommunalen Handelns einem enormen Veränderungsdruck ausgesetzt ist. Das wiederum macht auf der strategischen Ebene und im operativen Geschäft unverzügliches Handeln erforderlich.

Stichwort: Stadtentwicklungskonzept siehe [1]

Ein Stadtentwicklungskonzept bietet alle Chancen, absehbaren Trends und Problemstellungen entgegenzusteuern und Chancen und Potenziale nachhaltig auszuschöpfen. Es ist auf einen langen Betrachtungszeitraum angelegt, außerdem fachübergreifend und bietet die Möglichkeit, jenseits der laut Baugesetzbuch vorgeschriebenen Verfahrenswege aktiv werden zu können.

Ein Stadtentwicklungskonzept muß von externer, sachkundiger Stelle durchgeführt werden, um Partikularinteressen und parteipolitischem Dünkel keinen Einfluß zu gewähren. Hierzu bietet die Agenda 21, die auch Kierspe beschlossen hat, eine hervorragende Grundlage.

Es macht aus unserer Sicht überhaupt keinen Sinn, Teilfragmente wie die Ausweisung von Gewerbegebiete und Baugebieten, Straßenneubauprojekte und Einzelhandelskonzepte, zu planen und durchzuführen, ohne zu wissen, wohin der Weg Kierspes in die Zukunft gehen soll.

Stichwort: Verkehrsentwicklungsplan

Es liegt in der Natur der Sache, daß eine tragfähige Verkehrs- und Wegeplanung Bestandteil einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung ist. Die Bewältigung der Verkehrsströme in und um Kierspe ist – nach wie vor – eine Herausforderung: Wir dürfen nicht auf Verkehrsströme reagieren, sondern müssen sie vorausschauend planen und leiten. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Um die zukünftige Entwicklung des Straßennetzes, der Bus- und Bahnangebote, nicht zuletzt auch um sichere Bedingungen zu Fuß und mit dem Fahrrad in den einzelnen Stadtteilen konkret zu entwickeln, muß im Anschluß an ein Stadtentwicklungskonzept ein Verkehrsentwicklungsplan erstellt werden, der ein Handlungskonzept und ein mittelfristiges Maßnahmenprogramm zur Gestaltung des gesamten Verkehrs (Auto-, Bahn-, Bus-, Fuß- und Radverkehr) beinhaltet.

Flächennutzungsplan Rönsahl von 2007

Flächennutzungsplan Rönsahl von 2007

Stichwort: Bauleitplanung

Bereits 2009 haben wir auf Studien des Märkischen Kreises hingewiesen, daß die Einwohnerzahl in Kierspe bis zum Jahr 2020 um etwa sieben Prozent zurückgehen wird. Die Erkenntnisse aus dem Projekt „Regionale 2013“ zeigen ein noch dramatischeres Bild. Allein um die Bevölkerungszahl auf dem Status Quo dieses Rückwärtstrendes zu halten, benötigt die Stadt Kierspe mehr als 400 attraktive und moderne Wohneinheiten zusätzlich zu den umfangreichen Leerständen von Häusern und Wohnungen im Stadtgebiet.

Unser Fazit ist aber nicht die reaktive Lösung der Vernichtung von Umwelt und naturnahen Flächen durch die Ausweisung neuer und die Erweiterung vorhandener Baugebiete. Unsere Lösung ist eine planerische Alternative: Innerstädtische Flächen, deren Nutzung schon beendet oder voraussehbar ist, so umzuwidmen, daß sie für Alt und Jung in Kierspe eine attraktive Wohnsituation bieten kann.

Wir wollen, daß Flächennutzungsplanung, Bauleitplanung und demographische Entwicklung bei den Planungen und Ausführungen von Vorhaben stärker berücksichtigt werden. Wichtig ist uns, daß dabei ein verantwortungsvoller Grünanteil und Freiflächen für Lebensqualität, Naherholung und hohem Freizeitwert erhalten werden.

Stichwort: Attraktivität

Wenn wir Kierspe attraktiv gestalten wollen, müssen wir die Aufenthaltsqualität verbessern. Wir wollen mehr Plätze schaffen, an denen sich die Menschen gerne aufhalten. Die Schaffung von ortsnahen parkähnlichen Anlagen am Thaler Teich und rund um das AWO-Seniorenheim wäre ein erster Schritt in diese Richtung, die möglicherweise mit einem gewissen Gastronomieangebot abgerundet werden könnten.

Dagegen ist und bleibt es eines unserer zentralen Themen, negativen Einfluß auf die Lebensqualität aller Kiersperinnen und Kiersper entgegenzustehen. Hierzu gehören beispielsweise Überlegungen einzelner Investoren, Vergnügungsstätten, welche konzeptionell Suchtpotential besitzen und soziale Verelendung einkalkulieren. Wir werden – wie oft bewiesen – auch weiterhin alles daran setzen, solche Dinge zu verhindern. Politisch und juristisch! Wir werden keinen wirtschaftlichen Interessen Vorschub leisten, welches mit sozialer Verelendung und Sucht Gewinne erzielen will.

Stichwort: Marktplatz

Kierspe liegt in einer landwirtschaftlich geprägten Region. Die hierin liegenden Potentiale wollen wir stärker nutzen. Wochenmärkte sind für die Vermarktung regionaler landwirtschaftlicher Produkte von großer Bedeutung. Wir wollen die Marktkultur in unserer Stadt fördern. Dazu bedarf es einer völligen Überarbeitung der bestehenden Konzeption. Auch ein möglicher Ortswechsel muß in Betracht gezogen werden.

Flächennutzungsplan Kierspe von 2007

Flächennutzungsplan Kierspe von 2007

Stichwort: Eventmanagement

Zur Lebensqualität in unserer Stadt muß auch eine attraktive und professionelle Durchführung öffentlicher Großveranstaltungen gehören. Hierbei ist zu überlegen, ob man der Gleichförmigkeit solcher Veranstaltungen folgt und nur, weil die Nachbargemeinde eine bestimmte Veranstaltung durchführt, dieses auch tut. Aus unserer Sicht sollte die Stadt Kierspe einen eigenständigen Weg gehen und Veranstaltungen planen und durchführen oder fördern, welche einen einzigartigen Charakter in unserer Region haben. Unter Beteiligung aller Interessenten müssen hier Ideen entwickelt und die Umsetzung solcher attraktiver Veranstaltungen durch die Verwaltung gefördert und begleitet werden.

Stichwort: Sportstättenmanagement

Kierspe verfügt über eine einzigartige Sportstättenlandschaft in unserer Region. Aber anstatt dieses Potential zu nutzen und gewinn- und attraktivitätsfördernd einzusetzen schlummern diese Sportstätten in einem Dornröschenschlaf und kosten bei weitem mehr durch Erhaltung und Pflege als sie durch Vermietung und Gebühren bei Nutzung einbringen. Dieses Verhältnis muß umgekehrt werden. Eine Vermarktung für sportliche und kulturelle Großveranstaltungen kann nicht nur zur Kostendeckung, sondern sogar zu einem finanziellen Gewinn für die Stadt Kierspe beitragen und wird ganz nebenbei zu einer Steigerung der Attraktivität über die Stadtgrenzen hinaus führen.

Wir fordern deswegen

  • auf der Grundlage der Agenda 21 siehe [2], die auch Kierspe beschlossen hat, ein Stadtentwicklungskonzept als strategische Zielplanung erarbeiten zu lassen.
  • die Erstellung eines Verkehrsentwicklungsplanes für Kierspe.
  • keine neuen Bau- und Industriegebiete mehr auszuweisen, bis ein Stadtentwicklungskonzept und ein Verkehrsentwicklungsplan für Kierspe vorliegt.
  • ein Event- und Marktmanagement für Kierspe.
  • ein Vermarktungskonzept für die Sportstätten.

Fußnoten

[1] Als Stadtentwicklungskonzept bezeichnet man zusammenfassend alle Überlegungen zu Zielsetzungen, die für die wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Einrichtungen, die Stadtgestaltung und Landschaftspflege auf längere Sicht für die Stadt und ihr Umland angestrebt werden sollen.

[2] Die Grundsätze der Agenda 21:

• Die Naturreichtümer von Kierspe müssen bewahrt und entwickelt werden.

• Voraussetzung für eine zukunftsbeständige Stadt ist die soziale Gerechtigkeit.

• Flächennutzungsstrukturen müssen zukunftsbeständig sein.

• Die Strukturen städtischer Mobilität müssen zukunftsbeständig sein.

• Die Bürger müssen beteiligt und die örtliche Gemeinschaft in den Prozess der nachhaltigen Entwicklung einbezogen werden.

• Die Kommunalverwaltung muß auf Zukunftsbeständigkeit ausgerichtet sein.



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